Name: Turbogeil
Type: Mulletrad
Mileage: ?
Built: 2025
Als ich letztens in der Gitterbox umhergekramt habe, fand ich einen ziemlich ranzigen Klappradrahmen. Da im Umfeld der zwanzig°-Werkstatt schon so ein Mulletrad herumfaehrt, wusste ich direkt, was ich mit dem Rahmen anfangen wollte - mein eigenes Mullet-Bike bauen!
1"-Gabel und ein random 28"-Laufrad lagen im Lager herum. Ne Sattelstuetze fand sich gluecklicherweise auch sehr schnell. So stand dem "schnellen" Aufbau nix im Wege.
Da ich noch ein wenig Nachwuchsarbeit auf meiner Agenda stehen hatte und der Tochter eines Freundes das Radschrauben ein wenig naeher bringen wollte, bot sich das Projekt auch direkt an.
Anfang April war besagte Tochter noch nicht so begeistert. Davon liess ich mich natuerlich nicht vom Plan abbringen. Mit einer Dose Rostumwandler behandelte ich den Rahmen, und packte ihn erstmal ein bis zum naechsten Nachwuchsschrauben.
In der Zwischenzeit besorgte ich noch einen roten Vorderradmantel in 28" und einen roten Hinterradmantel in 20" und einen rot eloxierten Lenker. So als motivierende Ueberraschung :)
Wochen gingen ins Land und das naechste Nachwuchsschrauben vor Ostern kam. Also den Bausatz ins Lastenrad geworfen und in die Werkstatt gefahren.
Dort schraubten wir dann bis spaet abends und das Ergebnis kann sich sehen lassen:
Bester Kommentar kam von den drei jungen Maennern, die grade vorbeikamen, als wir die ersten Testfahrten machten: "Ey der Lenker ist ja turbogeil!"
Aus dem "Wir bauen ein Leihfahrrad zusammen." wurde an dem Abend "Wir bauen mein Fahrrad zusammen."
So war es dann auch kein Wunder, dass wir diesen Samstag dann die letzten Arbeiten an dem Fahrrad vornahmen. Schaltung war noch nicht dran und Bremsen waeren auch hilfreich gewesen, munkelt man. Letzte Arbeiten hoert sich relativ wenig an, aber das waren trotzdem gute 4 Stunden, die wir an dem Rad schraubten. Unter anderem tauschten wir noch den Daempfer gegen einen besseren (und roten!) ein.
Das Endergebnis ist ein ziemlich cool gewordenes Rad, das bestimmt bei der naechsten Critical Mass mitfaehrt.
Nachdem das Rad fast ein Jahr bei de Tochter war, bekam ich die Nachricht, dass die Bremsen nicht mehr ordentlich funktionieren wuerden. Also kam das Fahrrad wieder nach Darmstadt.
Die Chance, auch gleich die Sattelstuetze gegen eine laengere zu tauschen, wollte ich dann auch nutzen, denn die alte Sattelstuetze war so kurz, dass nur kleine Menschen bequem auf dem Rad fahren konnten. Kurz die alte Sattelstuetze ausgemessen und ab ins Internet.
Dann wurde es erstmal interessant. An dem Rad ist am Hinterrad eine Bandbremse verbaut und diese sind in Europa nicht ueblich und Ersatzteile nahezu nicht zu bekommen. Bandbremsen tauchen hier und da mal auf, wenn guenstige Fahrraeder aus Fernost importiert werden.
Auf Aliexpress wurde ich dann fuendig, zu einem ziemlich guten Preis. Da eine 80mm-Bremse verbaut und ich mir nicht sicher war, ob die Bremstrommel auch ersetzt werden muss, habe ich eine passende 80mm-Ersatzbremse gekauft. Die 90mm-Bremse habe ich aus Neugierde dazubestellt, eine groessere Bremstrommel sollte in der Theorie auch besser bremsen.
Eine passende Sattelstuetze fand sich auch schnell.
Wie funktioniert eine Bandbremse? Bandbremsen sind eine Art Trommelbremse. Anstatt aber Backen von innen an die Bremstrommel zu druecken, wird bei einer Bandbremse ein Bremsband aussen auf die Bremstrommel gezogen. Komplett technisch korrekt waere dann die Bezeichnung Aussenbandbremse.
Mehr zur Bandbremse in der Wikipedalia
Als dann alles da war, gings ins zwanzig°, die Teile tauschen.
Nach der Sattelstuetze ging es dann an die Bandbremse.
Von aussen hat die Bandbremse Flugrost, sieht aber insgesamt noch ganz gut aus.
Demontiert kann man sehen, dass ein Teil des Bremsbandes abgerissen ist. Damit ist klar, warum die Bremsleistung sich so verschlechtert hat.
Da die neuen Bandbremsen mit neuen Bremstrommeln geliefert wurden, entschied ich mich, die alte Bremstrommel abzuschrauben. Pyro versuchte dann mit dem Bandschluessel und viel Kraft die Trommel zu loesen. Leider war diese so festgegammelt, dass der Bandschluessel staendig abrutschte und wir erstmal einen ueberdimensionierten Stirnlochschluessel improvisieren mussten.
Am Ende hatten wir die alte Bremstrommel ab und konnten die neue montieren.
Wir haben dann gleich die 90mm-Bremse verbaut, denn sie ist "VREYGOOD" x'D
Die 90mm-Variante passt genausogut in den Rahmen, wie die 80mm-Variante.
Keine Detailbilder habe ich vom Tausch der Vorderradbremse. Die verbaute Bremse habe ich gegen eine Rennradbremse von Shimano getauscht, die noch im zwanzig°-Lager vorhanden war. Diese hatte deutlich weniger Flex, als die Seitenzugbremse, die wir vorher verbaut hatten und noch Belaege, die nicht komplett heruntergefahren waren.
Das Rad sieht fertig ganz schick aus.
Praktisch, dass das Turbogeil ein Klapprad ist. Der Transport mit dem Lastenrad funktioniert gut.
Nachdem ich jetzt einige Raeder aufgebaut habe, ist es vielleicht mal interessant, wieviel so ein Projekt kostet.
Arbeitsstunden kann man da nicht anrechnen, aber eine Aufstellung der Teile machen. Viele der vewendeten Teile kamen aus dem Lagerbestand des zwanzig°. Einen Preis dafuer kann man nicht berechnen, da das zwanzig° alle Teile gegen Spende abgibt.
Am Ende bleiben nur die Teile, die ich dann zugekauft habe. Und das waren insgesamt 77,99 Euro.
Haette ich die ganzen Teile aus dem zwanzig°-Lager neu oder gebraucht gekauft, waeren die Kosten viel hoeher ausgefallen. Aufbauprojekte sind dadurch im zwanzig° viel einfacher und machen so natuerlich wesentlich mehr Spass. Auch kann man mal Spassraeder zusammenbauen, die nur dafuer gebaut werden, um mal im Park eine Runde oder bei der Critical Mass mitzufahren.
Aliexpress (und vergleichbare Seiten) helfen sehr, die Kosten niedrig zu halten. Manche Teile bekommt man bei deutschen/europaeischen Versandhaendlern ueberhaupt nicht, andere Teile werden so selten verkauft, dass Premiumpreise aufgerufen werden.
Bei lokalen Haendlern kaufen ist leider ueberhaupt keine Option mehr. Eventuell findet man in irgendeiner Ecke oder Kruschelkiste noch ein "Vintage" oder Spezialteil. Spaetestens wenn aber Menschen das Label "Vintage" draufkleben koennen, bezahlt man Hipster-Aufpreis.