03.11.2026, Tuesday - Drehgelenkumbau Pangaea

Ein Baufreitag, eine Aufgabe.

Da am Samstag eine Aktion anstand, fuer die wir den Anhaenger eingeplant hatten, musste dieser dann auch am Freitag fertig umgebaut werden.

Da Paengaea groesstenteils aus Aluminium besteht, brauchte ich das AC-Schweissgeraet und eine Menge Kleinteile. Zusammen mit dem restlichen Werkzeug war das wieder ne Menge Zeug und ich musste noch den Croozer Cargo ans Samum anhaengen, damit ich alles zum zwanzig° bekam.

Vollbeladenes Samum mit vollbeladenem Croozer Cargo vor der Glasfront des zwanzig°

Angefangen habe ich mit der Deichsel. Die alte Deichsel war fuer die letzten drei Jahre eher eine Interimsloesung und auf mein Trek-Rennrad abgestimmt. Da das allerdings seit 2025 mit einem defektem Steuersatz im Keller haengt, konnte ich den Anhaenger letztes Jahr ueberhaupt nicht mehr ziehen.

Seit letztem Jahr stehe ich mit Matthias Reck in Kontakt und wir haben uns schon ueberlegt, wie wir die Deichsel so gestalten, dass sie von moeglichst vielen Nutzern genutzt werden kann, da der eigentliche Plan war, den Anhaenger Heinerbike zur Verfuegung zu stellen. Wir ueberlegten uns verschiedene Loesungen und kamen am Ende einfach bei einer Mitteldeichsel mit Weber-Anschluss heraus.

Die Deichsel wurde bestellt, konnte uns allerdings nicht rechtzeitig erreichen, da es eine Sonderanfertigung ist, die nur auf Bestellungen gerfertigt und dann erst verschickt wird.

Also musste eine zweite Interimsdeichsel her, die mit dem aktuellen Fuhrpark kompatibel sein sollte.

Vor einiger Zeit schon hat mein Freund Unke in Karlsruhe einen Anhaenger mit Weber-Anschluss auf kleinanzeigen.de (ehemals ebay-Kleinanzeigen) zu einem sehr guten Preis organisiert und bei sich eingelagert. Dessen Deichsel wollte ich fuer die Interimsdeichsel verwenden, da der Anhaenger ja sowieso nach Darmstadt ueberfuehrt werden musste.

Uebergabe des Anhaengers im Karlsruher Hauptbahnhof. Anhaenger im Zug. Interimsdeichsel fuer Pangaea fertig. ![Detailaufnahme des geschweissten] Stuecks.(20260821_018_muss_nur_einen_tag_halten.jpg)

Waehrend ich die Interimsdeichsel baute, zog Kiara dankenswerterweise Paengaea mit der Handdeichsel und mit Waffelteig beladen zu Fuss zum zwanzig°.

Nachdem dann Pangaea im zwanzig° war, demontierten wir zuerst das vordere Fahrgestell und das alte Drehlager. In der Zwischenzeit kam Pyro und dazu und wir werkelten zu dritt an dem Anhaenger.

Als neues Drehgelenk hatte ich einen Drehteller eingeplant. Diese Drehteller werden unter anderem bei Stuehlen zwischen Sitzflaeche und den Stuhlbeinen eingebaut, um die Sitzflaeche drehbar zu machen. Eine kurze Recherche zeigt, dass der Drehteller fuer den Anhaenger gut geeignet ist, angegeben wird eine Belastbarkeit bis 250kg.

Bei der Arbeit an Ploggenom 3 ist ein Vierkantrohr aus Alu uebriggeblieben, dass wir einfach zwischen Drehteller und den Leiterrahmen des Anhaengers legten, um mal zu sehen, wie viel Abstand wir ueberbauen mussten. Meine Intuiton war punktgenau - Vorderachsenfahrgestell, der Drehteller und das Aluprofil waren zusammen genau so hoch, dass der Anhaenger komplett im Wasser war. Damit war klar, dass wir das Profil dafuer verwenden wuerden, den Drehteller am Leiterrahmen zu befestigen.

Dass das Drehgestell ersetzt werden musste, war mir schon seit einiger Zeit klar. Fuer kleine und mittlere Lasten funktionierte das alte Drehgelenk gut. Ueber die Zeit hinweg allerdings, wackelte sich das Kugelgelenk immer wieder frei. Zudem neigte das vordere Drehgestell stark nach oben zu schlagen, wenn der Anhaenger schwer beladen war.

Pangaea zerlegt im zwanzig, Vorbereitung fuer die naechsten Schritte. Grob zusammengegesetzt mit dem neuen Drehteller. Vorhandenes Rechteckrohr passt genau zur neuen Konstruktion. Altes Drehgelenk obenauf, neuer Drehteller unten sichtbar.

Kiara stellte waehrenddessen die Waffelversorgung sicher. Da wir mehr Waffeln hatten, als wir selbst verzehren konnten, verteilte Pyro die ueberzaehligen Waffeln am Herrngarteneingang.

Kiara backt Waffeln fuer uns alle.

Dann ging es daran, die Aufnahme fuer den Drehteller am Leiterrahmen anzufertigen. Der Drehteller konnte leider nicht an der Aluplatte festgeschraubt werden, die vorher den Winkel mit dem Kugelgelenk aufgenommen hatte, denn dann waere die Vorderachse zu weit nach hinten gekommen. Und ich wollte den Radstand so beibehalten. Also musste das die Aufnahme so gebaut werden, dass der Drehteller weiter vorne am Drehgestell befestigt werden kann. Die von uns angedachte Position war zwischen der letzten und vorletzten Sprosse des Leiterrahmens und der Drehtellerselbst zu klein, dass beide Sprossen haetten aufliegen koennen. Also mussten die beiden Stuecke des Profils, mit dem wir den Abstand zwischen Drehteller und Leiterrahmen zwischenbauen wollten, so lang sein, dass die letzte Sprosse aufliegen konnte und am anderen Ende die vorletzte Sprosse. Bei der vorletzten Sprosse entschieden wir uns, diese Laengsstreben so lang abzusaegen, dass sie unter der schon vorhandenen Platte enden, und vorne abschliessend mit der letzten Sprosse, an der wir die Laengsstreben dann festschweissen wollten.

Wir entnahmen die letzte Sprosse, die erste in Fahrtrichtung vorne, laengten zwei Laengsstreben von dem Aluprofil ab und richteten die drei Teile aneinander aus. Nachdem wir wussten, wo dann geschweisst wuerde, markierten wir diese Stellen mit einem Whiteboardmarker. Das hat den Vorteil, dass wir gleich ueberpruefen konnten, ob wir auch genug der Oxidschicht abgenommen haben - wenn keine Farbe mehr da ist, ists genug.

Nachdem wir dann die Stellen mit der Feile entsprechend blank gemacht hatten, mussten wir den ganzen Aufbau wieder zusammenklemmen. Dann habe ich alle drei Teile erst einmal zusammengeheftet.

Danach konnten wir die Schraubzwingen entfernen und ich konnte die Naehte rundherum durchschweissen.

Dann passten wir die Aufnahme wieder in den Anhaenger ein und ueberprueften, dass alles noch so passt, wie wir es geplant hatten.

Zurechtsaegen der Teile. Vorbereiten der Teile fuer das Schweissen. zusammengeschweisste Teile. Einpassen der neuen Drehtelleraufnahme in Pangaea.

Im naechsten Schritt dann kuemmerten wir uns um das vordere Fahrgestell, dass die Vorderachse traegt und auf dem der Drehteller befestigt werden sollte. Da wir schon vorhandene Bohrungen und Schrauben weiterverwenden wollten und auch die Verstaerkungsplatten, die schon aufgenietet waren, drehten wir die Unterseite des Drehtellers um 45° und bohrten entsprechend die verbleibenden drei Loecher. Bei den beiden seitlichen Loechern brauchten wir noch zwei Unterlegscheiben, um die Hoehendifferenz der Verstaerkungsplatte auszugleichen. Haetten wir das einfach festgeschraubt, haette sich der Drehteller verziehen koennen und die Drehbarkeit damit negativ beeinflussen.

Alles fest verschraubt war das Fahrgestell mit dem Drehteller fertig zum Einbau.

Begutachtung des vorderen Fahrgestells. Koernen der Bohrloecher. Anpassung der Unterlegscheiben. Drehtelle auf dem vorderen Fahrgestell montiert.

Wir hatten die Drehtelleraufnahme absichtlich noch nicht am Leiterrahmen verschraubt, um uns noch Korrekturmoeglichkeiten offen zu halten. Nachdem abber alles so gut passte, schraubten wir die Drehtelleraufnahme am Rahmen fest und dann den Drehteller an der Aufnahme.

Allerdings hatten wir uns ein wenig zu frueh gefreut und beim Drehen fiel uns auf, dass die Laengstraeger der Drehtelleraufnahme bei einem zu starken Lenkeinschlag an den Reifen schaben wuerden. Das wollten wir nicht, auch wenn der Lenkeinschlag wahrscheinlich nie wirklich so im normalen Gebrauch auftreten wuerde.

Wir demontierten also das vordere Fahrgestll noch einmal, schnitten aus den Laengstraegern je eine Ecke heraus und montierten alles dann wieder.

Fertig montiert waren wir relativ stolz, dass der Umbau bis dahin so gut geklappt hatte. Pyro musste dann leider auch zum Bus und wir fingen mit dem Aufraeumen an.

Befestigen der Drehtelleraufnahme an Pangaea. Drehteller mit der Drehtelleraufnahme verschrauben. Die Drehtelleraufnahme wird angepasst, um das Drehverhalten zu verbessern. Vorderes Fahrgestell mit Pangaea verbunden.

Doch wir hatten uns zu frueh gefreut. Die Deichsel wird mit einem Splint am Zapfen der Auflaufbremse gesichert. Und dieses Splintloch haette aussermittig gebohrt werden muessen. Auf diesen Aufwand hatte ich um die Uhrzeit keine Lust mehr. Waehrend Cyrille und Kiara die Werkstatt aufraeumten, schwang ich die Flex und bereitete die Deichsel vor.

Nachdem die Deichsel rundherum blank war, nahm ich das alte Anschlussstueck der alten Interimsdeichsel und schweisste es kurzerhand an der neuen Interimsdeichsel an.

Der alte Deichselanschluss wird fuer den letzten Arbeitsschritt vorbereitet. Der alte Deichselanschluss wird fuer den letzten Arbeitsschritt vorbereitet.

Und dann waren wir endlich fertig! Paengaea war wieder fahrbereit und dank Weber-Kupplung jetzt (fast) universal nutzbar.

Der Umbau des Drehgelenks ist beendet.

Um 4:17 Uhr hatten wir dann alles zusammengepackt und standen mit zwei Lastenraedern und zwei Anhaengern vor dem zwanzig°. (Wann Kiara das Gunnar geholt hatte, weiss ich gar nicht mehr ...)

Der Bautreff ist zuende, zwei Fahrraeder mit jeweils einem Anhaenger stehen vor der Fahrradgarage.

Samstag um 08:30 war es dann soweit: Pangaea wurde voll beladen und fuhr zum ersten Mal seit ueber anderhalb Jahren wieder Fracht.

Paengaea an Gunnar angehaengt und vollbeladen.

Eine neue Deichsel

Nachdem ich erst einmal eine inkompatible Deichsel bestellt hatte, kam einen Monat spaeter dann die Schwerlastdeichsel von hinterher.com an. Nicht das guenstigste Bauteil, aber mit einem montierten Anschlussstueck von Weber, einem ordentlich gebogenem Alu-Rohr und dem Gelenk hat mir das eine Menge Aufwand erspart.

Screenshot der Deichsel im hinterher.com-Shop

Das Anschlussstueck, das die alte und die Interimsdeichsel mit der Auflaufbremse verband, ist aus Stahl, die Gelenkplatte der Hinterher-Deichsel allerdings aus Alu. An dieser konnte ich ich das Anschlussstueck nicht anschweissen. Ich brauchte also eine Flanschplatte aus Stahl, die ich mit der Gelenkplatte verschrauben konnte. Wir hatten noch zwei Bleche uebrig, eins mit 1mm Staerke, eins mit gut 6mm. Das duenne Blech waere zu duenn gewesen und konnte ich nicht verwenden. Also blieb nur das dicke uebrig, auch wenn mir das spaeter noch zu schaffen machen sollte.

Anzeichnen der Abmessungen der Gelenkplatte. Flansch- und Gelenkplatte sind gleich dick.

Dann ging es daran, das Bremsenanschlussstueck wieder von der Interimsdeichsel zu trennen, denn das wollte ich weiterverwenden - passt ja perfekt. Ein wenig schade ists um die Interimsdeichsel schon, sie hat mehr als nur einen Tag gehalten und gute Dienste geleistet. Ich bekam sogar Lob fuer die Schweissnaehte. Aber einerseits war fuer Pangaea eine Schwerlastdeichsel vorgesehen und der Kindercar-Anhaenger braucht irgendwann auch seine Deichsel zurueck.

Der Bremsenanschluss wird abgeseaegt. Der Rest der Interimsdeichsel. Der Kindercar-Anhaenger hat seine Deichsel zurueck und das Bremsanschlussstueck ist abgetrennt.

Brutzeln? Brutzeln! Ok, mit deutlich mehr Ernsthaftigkeit setzte ich mich ans Schweissen. Das Rohr, das um die 1,5mm Wandstaerke hat, das eingeschobene Rohrstueck ist nur kurz und am Ende, mit der 6mm messenden, massiven Platte zu verbinden, wuerde eine Herausforderung werden. Wenn man zwei so unterschiedliche Teile miteinander verschweisst, kann man nicht einfach eine Stromstaerke einstellen und mit Schweisszugabe die beiden Teile verschweissen. Das Rohr war gut mit 40 Ampere schweissbar und die Platte machte nichtmal Anstalten an der Oberflaeche zu schmelzen, da die Waermeableitung und die Waermakapazitaet im Vergleich zum Rohr wesentlich groesser waren. Fuer die Platte benoetigte ich gut 130A, um ein gutes, halbwegs tiefes Schweissbad zu bekommen. Bei 130 allerdings schmilzt das Rohr direkt weg. Der Trick hier bestand darin, erst mit Schweisszugabe einen "Kragen" ans Rohr zu schweissen, so dass es am unteren Ende deutlich dicker war. Nachdem ich einmal rundherum Material zugefuegt hatte, ging ich noch einmal mit 130 Ampere um das Rohr herum und verschweisste es mit der Flanschplatte. Diese verzog sich gluecklicherweise fast gar nicht und nachdem ich dann das fertige Adapterstueck mit der Drahtbuerste abgeschrubbt hatte, war ich gar nicht mal unzufrieden mit meiner Arbeit.

Dann noch schnell die Kanten mit der Feile glaetten und alles entgraten und das Adapterstueck war bereit fuer den naechsten Schritt. Hinterher hatte schon vier Schraubenloecher auf der Gelenkplatte angekoernt. Die bohrte ich dann, zeichnete die Postionen der Loecher auf dem Adapterstueck an und bohrte auch dort die Loecher. Verschraubt habe ich die beiden Platten mit vier M5-Schrauben. Ja, das reicht locker! Bei einer Festigkeit von 8.8 haben die Schrauben eine Zugbelastung von 400N bis 800N. Das sind bei vier Schrauben zwischen 1,6t und 4t Zugkraft, die das Zugfahrzeug aufbringen muesste. ;)

Zusammengeschraubt sieht das doch schon ganz gut aus.

Bremsenanschlussstueck und Flanschplatte mit einem Schweissmagneten zusammengehalten. Bremsanschlussstueck an der Flanschplatte festgeschweisst. Schwerlastdeichsel und Adapterstueck verschraubt.

Jetzt fehlte noch ein Loch, um die Drehung der Deichsel auf dem Anschlusszapfen der Auflaufbremse zu verhindern und ich konnte die neue Deichsel an Pangaea montieren.

Schwerlastdeichsel an Pangaea montiert. Detailaufnahme des Adapterstuecks.

Mit der neuen Deichsel fuhr sich der Anhaenger richtig schoen - nur leider nicht mittig hinter dem Zugfahrrad. Auch wenn es das Fahrverhalten nicht wesentlich verschlechterte, ist es fuer den Fahrer auf dem Zugfahrrad angenehmer, wenn der Anhaenger eher mittig hinterherlaeuft. Und so habe ich einen Bautreffabend damit verbracht, ein Adapterstueck zusammenzuschweissen, das die Deichsel um ein gutes Stueck nach aussen bringt.

Adapterstueck trocknet in der Fahrradgarage am zwanzig°

Nachdem der Lack uebers Wochenende trocknete, montierte ich das Adapterstueck am Anhaenger.

Bild der ganzen Einzelteile der Deichsel und Adapterstuecke. Deichsel und Adapterstuecke montiert. Bild von oben Deichsel und Adapterstuecke montiert. Bild von hinten

Der Deichselumbau wurde dann doch ein wenig komplexer als erwartet. Aber das System sieht ganz gut aus.

Sicht auf das System aus Zugfahrrad, Deichsel, Versatzstuecke, Adapterstueck fuer die Auflaufbremsenaufnahme, Auflaufbremse und dem vordersten Teil des Anhaengers.

Und am Ende laeuft der Anhaenger mittig und gut hinter dem Zugfahrrad her.

Paengaea im Vordergrund, photographiert von hinten, angehaengt an das Johansson Gunnar

Nach mehr als einem Monat Umbau mit mehreren Versuchsfahrten ist der Anhaenger jetzt wieder voll einsatzbereit.